Glücklich!

Wir kannten uns kaum, und doch wünschte ich mir näheren Kontakt zu ihm. Ich wusste nicht, wie ich das anstellen soll, hatte eine Nachricht an ihm vorbereitet, aber der Mut fehlte mir, diese Nachricht an ihn abzuschicken. Irgendwann, vor ein paar Monaten erst, war ich vor meinem Rechner gesessen und habe ihn letztendlich doch einfach angeschrieben. Kurz und bündig. Direkt. Ich hatte Interesse an ein Treffen mit ihm. Ohne irgendein Ziel, außer Freundschaft vor Augen. Aber es kam alles anders, und das außergewöhnlich schnell. Ich dachte an einen etwas langwierigeren Email-Kontakt, während er dann aber mit dem Angebot kam, wir könnten doch öfter mal telefonieren. Telefonieren fällt mir ziemlich schwer. Ich muss mich darauf vorbereiten können, aber es war merkwürdigerweise ein gewisses Vertrauen zu ihm da, was es mir einfacher machte. Er ist ebenfalls Asperger-Autist und weiß nur allzugut von all den Schwierigkeiten. Ich war sehr aufgeregt. Um Punkt 18 Uhr hörten wir uns zum ersten Mal. Wir verstanden uns auf Anhieb blind, erkannten viele Gemeinsamkeiten und schon ein paar Tage danach kam er mit dem Angebot, einen gemeinsamen Abend miteinander zu verbringen. Obwohl ich mich überrumpelt hätte fühlen können, habe ich mich sehr auf diesen und alle weiteren gemeinsamen Abende gefreut. Er ist nicht nur der Mann, in den ich mich verliebt habe/bin, sondern auch eine Art Ruhepol. Bei ihm fühle ich mich fernab von jedem Stress, der mich zur Zeit noch umgibt.

Wir sind uns in den letzten Wochen sehr nahe gekommen. Ich bin glücklich. Ich vermisse nichts. Es herrschte von Anfang an klare Kommunikation zwischen uns. Wir waren nicht darauf bedacht, ausschließlich unsere Schokoladenseiten zu zeigen, sondern uns wirklich wahr, direkt und klar kennenzulernen. So, wie wir sind… und wir haben nicht das geringste Problem damit. Wir bewegen uns auf einer Verständnisebene, die das alles zwischen uns so einzigartig macht. Auch Berührungen und der allgemeine Hautkontakt stellt nicht das geringste Problem dar. Im Gegenteil! Es ist unbeschreiblich schön und wir bekommen beide nie genug davon. Natürlich gibt es auch immer wieder mal Herausforderungen zu bewältigen. Das alles hat unsere bisherige Routine völlig auf den Kopf gestellt. Wir bewegen uns auf einer sehr empfindlichen Ebene, auf der auch Ängste auftreten, das alles wieder zu verlieren, aber wir bewältigen das gemeinsam. Wir stützen und helfen uns gegenseitig, nehmen uns diese Ängste und sonstige Selbstzweifel, die bei uns beiden vorhanden sind. Es wird von Tag zu Tag intensiver zwischen uns, die Herausforderungen erscheinen uns nicht wie ein Hinderniss, sie schweißen uns noch enger zusammen. Es ist ein Gefühl von Geborgenheit, das mich umgibt. Wir haben uns nicht gesucht, aber gefunden. Er gibt mir so viel. Ich liebe diesen Mann und möchte mein Leben mit ihm verbringen. Es ist perfekt!

Das Bedürfnis nach Abstand

Ich möchte mich die nächste Zeit wieder mehr um Beiträge auf meinem Blog kümmern, meine Worte an anonyme Leser richten, aber mich dem direkten Kontakt zu Menschen erst einmal lossagen. Ich habe in den letzten Jahren viele Menschen kennengelernt und viel kommuniziert, aber es liegt eine gewisse Anstrengung hinter all dem, die nur mehr Verwirrung als Klarheit schafft. Was ich benötige, ist eine klare Kommunikation, alles andere kann und will ich nicht mehr selbst deuten müssen. Klare Kommunikation verschafft mir Sicherheit. Ich weiß, wie ich dran bin, was ich zu erwarten und wie ich mich zu verhalten habe, aber das ist leider viel zu selten der Fall, und das stellt nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitmenschen eine große Belastung dar. Ich möchte alles andere als eine Belastung sein. Zudem wird sich demnächst viel in meinem Leben ändern und das beansprucht einiges an Kraft, Mut und vor allem einen freien Kopf. Trotzdem möchte ich wieder mehr schreiben, meinen Kopf immer wieder nach Bedarf leeren können und meine Leser daran teilhaben lassen.

Nachtrag (16.09.2015): Keine direkte Kommunikation ist auch nicht einfacher. Hm… 😕

Ein frohes neues Jahr 2015!

capture-20141231-175619Ich möchte mich bei allen meinen Lesern bedanken, die mir im Jahr 2014 immer wieder mal ein Auge geschenkt haben!

Es war ein sehr schönes Jahr, kann mich nicht beklagen. Viele meiner Ziele habe ich erreicht, aber noch mehr freue ich mich über die Kontakte zu anderen Menschen, die 2014 entstanden sind. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber einige dieser Kontakte sind nun auch sehr persönlich geworden und ein paar andere werden es noch im nächsten Jahr!

Ein großes Dankeschön geht hier auch nochmal an die Mitglieder des Forums meiner Schwester! Der Kontakt zu euch ist ein wichtiger Bestandteil meines Tagesablaufs geworden. Ihr habt mich in eurer Runde aufgenommen, als ob ich schon immer zu ihr gehört hätte – so, wie ich bin. Ihr habt mich durch viele angenehme, wie auch unangenehme Zeiten begleitet. Wenn ich mich einsam, depremiert oder entmutigt fühlte, habt ihr alles gegeben, um für mich da zu sein und mich aufzubauen. Aber auch meine Freude, Begeisterung und Interessen habt ihr nie unbeachtet gelassen. Dafür möchte ich mich herzlichst bei euch allen bedanken!

Nun wünsche ich euch einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr 2015!

Mögen alle eure Wünsche für das neue Jahr in Erfüllung gehen 😉

Hochsensibilität

Menschen mit einer hohen Sensibilität nehmen Reize aus ihrer Umgebung intensiver bzw. ausgeprägter wahr und leiden somit schneller unter der sogenannten Reizüberflutung als Menschen, die nicht von dem Phänomen der Hochsensibilität betroffen sind. Bisher existiert weder eine anerkannte neurophysiologische Theorie zur Ursache des Phänomens, noch kann man hier von einer Erkrankung oder psychischen Störung sprechen, so dass auch aufgrund der noch vielen vorhandenen Unklarheiten eine Diagnosestellung ausgeschlossen ist.

Dennoch existieren aber einige typische Merkmale (erstmals aufgestellt von Elaine N. Aron), die uns sehr viel mehr Aufschluss darüber geben, wie sich Hochsensibilität äußert:

  • intensives Empfinden und Erleben
  • ausgeprägte subtile Wahrnehmung (vielschichtige Fantasie und Gedankengänge)
  • erhöhte Schmerzempfindlichkei
  • detailreiche Wahrnehmung
  • hohe Begeisterungsfähigkeit, sehr vielseitige Interessen
  • sehr ausgeprägtes Langzeitgedächtnis
  • psychosoziale Feinwahrnehmung (Befindlichkeiten, Stimmungen und Emotionen anderer Menschen werden leichter und detaillierter erkannt)
  • stärker beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen
  • ausgeprägtes intuitives Denken
  • langer emotionaler „Nachklang“ des Erlebten
  • Denken in größeren Zusammenhängen
  • ausgeprägter Altruismus, Gerechtigkeitssinn
  • Harmoniebedürfnis, Gewissenhaftigkeit
  • Intensives Erleben von Kunst und Musik
  • Perfektionismus
  • meist vielschichtige komplexe und stabile Persönlichkeit (Instabilitäten wie bei Borderline, bipolaren Störungen, Psychosen o. ä. sind kein Merkmal der HS; dennoch können solche als Folge einer psychischen Erkrankung durchaus präsent sein)

Diese Merkmale wurden der freien Enzyklopädie (Wikipedia) entnommen.

Die folgende kurze Doku handelt von Hochsensibilität und ist ebenfalls nochmal sehr aufschlussreich. Es kommen ein Betroffener, ein Hirnforscher und eine Sozialpsychologin zu Wort:

Einschränkungen akzeptieren

Als ich meine Asperger-Diagnose in den Händen hielt und mich daraufhin etwas näher mit Autismus beschäftigte, schien mir ein gewisses Bild über mich klarer zu werden und ich konnte das innere Chaos immer besser einordnen, doch erwische ich mich noch oft dabei, meine eigenen Einschränkungen nicht wirklich akzeptieren zu können. Bisher war ich hauptsächlich damit beschäftigt, mich an eine Normalität anzupassen, die man irgendwie so ziemlich oft antrifft. Ein Mensch wie jeder andere zu sein und Dinge zu bewältigen, die immer so einfach zu sein scheinen, für mich jedoch eine große Herausforderung darstellen (telefonieren, spontan sein, Small-Talk etc.).

Ich war oft sehr wütend auf mich selbst, wenn ich die einfachsten Dinge nicht auf die Reihe bekam und ging auch hart ins Gericht mit mir. Letztendlich noch um einiges härter als all die anderen Menschen in meinem Leben, die diese gewisse Normalität von mir erwarteten, die sie selbst ohne weitere Schwierigkeiten an den Tag legten. Ich kann mich noch an meine Grundschulzeit erinnern und daran, wie mich meine Mutter einmal verzweifelt schimpfte, als sie mitbekam, dass es mit dem Mobbing nicht besser, sondern schlimmer wurde. Meine Mutter schimpfte mich, weil sie nicht verstehen konnte, warum es mir so viel Schwierigkeiten bereitete, mit anderen Kindern in Kontakt zu treten, geschweige denn Freunschaften einzugehen. Am Ende hielt sie mir vor, dass ich letztlich an dem Mobbing selbst schuld sei. Ich wusste ja selbst nie, warum ich so bin, wie ich bin, aber nun fühlte ich mich einfach nur noch falsch und sah mich gezwungen, mir Dinge aufzuerlegen, die mir eigentlich überhaupt nicht gut taten, nur um Anerkennung und Akzeptanz zu gewinnen. Ich bin nie darin bestärkt worden, wie ich wirklich war oder bin, sondern in dem, wie ich es mit der Zeit geschafft habe, mich anzupassen. Das Gefühl, falsch zu sein, wurde somit auch zu einer Grundhaltung mir selbst gegenüber und es fällt mir leider sehr schwer, diese Grundhaltung nach und nach abzubauen. Ich fiel in heftige Depressionen und verlor oft genug den Mut zum Leben und in letzter Zeit wurde ich wieder einmal so sehr von Depressionen überwältigt, dass ich mir ernsthaft überlegt hatte, für ein paar Tage in die Klinik zu gehen, einfach mal abzuschalten und Menschen Menschen sein zu lassen, doch zogen die Depressionen diesmal schneller an mir vorbei als sonst, worüber ich auch sehr froh bin, denn ein Klinikaufenthalt hätte wiederum eine komplette Umstellung für mich bedeutet, womit ich vielleicht wieder nur sehr schwer klargekommen wäre.

In erster Linie scheint es für mich am wichtigsten zu sein, Dinge, wie meine Einschränkungen, klar zu kommunizieren und sie natürlich selbst auch zu akzeptieren, ohne mich im Nachhinein minderwertig oder falsch zu fühlen. Bekanntlich macht Übung den Meister und mir ist bewusst, dass es von heute auf morgen nicht einfach sein wird, aber der Anfang scheint schon mal gemacht zu sein, indem ich das alles für mich erkannt habe.

Liebster Award – Entdecke neue Blogs

Welch eine Ehre für meinen kleinen Blog und noch dazu, wo ich schon länger nicht mehr zum bloggen gekommen bin :-)

Eigentlich ignoriere ich Kettenbriefe, es sei denn, der Hintergrund dieses Kettenbriefes erfüllt einen guten Zweck und dies ist, meiner Meinung nach, hier der Fall. Ich habe erst durch meine Nominierung von Liebster Award erfahren und finde den Grundgedanken super. Ich hoffe, es finden sich noch viele weitere Teilnehmer, die diesmal beim Kettenbrief eine Ausnahme machen und viele weitere bekannte und unbekannte Blogs nominieren.

liebsterawardDer Liebster Award ist eine Nominierung von Bloggern an Blogger und dient dazu, neue und unbekannte Blogs etwas bekannter zu machen.

Mein Blog wurde von Mein Leben und ich nominiert. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank dafür.

Ich nehme die Nominierung gerne an und freue mich ganz besonders, gerade von Mein Leben und ich nominiert worden zu sein.

Erst mal kurz zu den Regeln des Liebster Awards:

  1. Schreibe einen Beitrag zu deiner Nominierung und füge das Awardbild ein, dann verlinke denjenigen der dich ernannt hat.
  2. Beantworte die 10 Fragen (siehe unten).
  3. Denke dir 10 neue Fragen aus.
  4. Nominiere 10 weitere Blogger mit weniger als 200 Followern und verlinke sie im Beitrag. (Aber nicht zurück taggen!)
  5. Teile deinen Nominierten mit, dass du sie nominiert hast.

Dann komme ich mal zu den Fragen an mich:

Wer bist du? Schreib ein wenig über dich

Mein Name ist Jessi, bin 29, Mutter von drei Kindern, wurde in Franken geboren, bin dort aufgewachsen, lebe jedoch seit drei Jahren in Berlin und habe die Diagnose Asperger-Syndrom.

Gibt es eine Geschichte zum Namen deines Blogs?

Nicht wirklich. Deep Inside gibt einfach nur das wieder, was sich in meinem tiefsten Inneren abspielt. Alles und Nichts soll einerseits bedeuten, dass sich genau das, was sich in meinem tiefsten Inneren abspielt, sehr vielfältig ist, auch wenn es von Außen kaum wahrgenommen wird, und andererseits soll es die Tatsache zur Geltung bringen, dass all das, was sich da abspielt, im Grunde nichts weiter, als bedeutsame und zugleich unbedeutsame Erscheinungsformen des Augenblicks sind.

Was bringt dir das Schreiben?

Ich schreibe schon seit meiner Kindheit sehr gerne. Für mich ist es die einfachste Art, mich auszudrücken und mich somit auch anderen mitzuteilen.

Was magst du gar nicht?

Styropor, hörbare Fingernägelspielereien und diese transparenten Geschenkefolien, die so grausam knirschen 😕

Was wünscht du dir am liebsten?

Von Wünschen halte ich mich gerne fern. Versuche, alles so anzunehmen, wie es kommt und geschieht.

Was würdest du ändern, wenn du es könntest?

Siehe Antwort zur vorherigen Frage!

Welcher Film ist dein Lieblingsfilm (Serie)?

Serien sehe ich mir nicht so gerne an. Ist auch schwierig, das in den Tagesablauf mit einzuordnen, aber Filme gibt es sehr viele, die mir gefallen. Einen ganz speziellen kann ich jedoch nicht nennen.

Hast du ein Lieblingszitat? Wenn ja, welches?

Du kannst dich nicht selber finden, indem du in die Vergangenheit gehst. Du findest dich selber, indem du in die Gegenwart kommst. – Eckhart Tolle

Gibt es einen Lieblingsautoren bzw. Buch, welchen(s) du weiterempfehlen könntest?

Da gibt es einige. Einfach mal hier meine Buchempfehlungen durchschauen.

Wer und was gibt dir Input??

Die Frage verstehe ich leider nicht so ganz.

Jetzt bin ich dran, andere Blogger zu nominieren. Die Anzahl der Follower kann ich nur raten, bei den meisten steht es ja nicht dran. Ich werde mich allerdings auf 5 beschränken, wie es die ursprünglichen Regeln des Liebster Award vorgesehen haben 😉
Ich nominiere:

Mich meiner erinnern

Inspiration, Stille, Freiheit

Gedankewelt eines Autisten

Kastenmensch

Sternenglas

Ich würde mich freuen, wenn ihr diese Nominierung annehmt.

Hier nun meine Fragen an euch (die ich zum Teil von Mein Leben und ich übernommen habe):

  1. Wer bist du? Schreib ein wenig über dich.
  2. Warum bloggst du?
  3. Was waren die schönsten Momente deines Lebens?
  4. Was beschäftigt dich zur Zeit?
  5. Hast du ein Lieblingszitat? Wenn ja, welches?
  6. Womit beschäftigst du dich gern in deiner Freizeit?
  7. Was magst du gar nicht?
  8. Was magst du besonders gerne?
  9. Verreist du gerne? Wenn ja, wohin am liebsten und warum?
  10. Welches sind deine Lieblingsautoren oder -bücher?

Ich bin gespannt!

Mein Leben auf dem falschen Planeten

CoverBis auf noch ein paar (im Nachhinein entdeckte) Fehler, ist es mir nun doch endlich gelungen, mein erstes Buch zu veröffentlichen:

Mein Leben auf dem falschen Planeten – Dasein und Wahrnehmung einer Autistin

Aus ihrer eigenen Wahrnehmungswelt heraus beschreibt Jessica Preiß diverse Aspekte des Asperger-Syndroms. Sie schreibt aus ihrem Leben, seit der frühesten Kindheit, wie es sich damals zugetragen hat. Oft genug war es schmerzvoll und traurig, dann auch wieder heiter bis komisch, jedoch stets ergreifend. Der Leser wird in eine Welt geführt, die ihm die täglichen Probleme im Umgang mit einer Welt, die für Autisten meist wie ein “falscher Planet“ wirkt, miterleben lässt.

ISBN: 978-3-7357-4054-0

Zur Bestellung

In den nächsten Tagen wird das Buch (auch als E-Book) in vielen weiteren Online-Shops erhältlich sein!

Der Einzelgänger

Seitdem ich denken kann, begleitet mich ein Grundgefühl, das ich nie richtig in Worte fassen konnte. Menschen mögen mich nicht, nirgendwo fühle ich mich willkommen. Meine bisherige Erfahrung war, dass Menschen von vornherein einen großen Bogen um mich herum machen oder nachdem ein paar Wortwechsel zwischen ihnen und mir entstanden sind. Ich hatte nie solch enge und innige Freundschaften, wie ich es beispielsweise oft während meiner Schulzeit bei meinen Mitschülern beobachten konnte. Mittlerweile kann ich einiges umsetzen, von dem, was ich beobachtet habe, aber den Sinn dahinter verstehe ich nicht. Da ist eine Distanz, eine Mauer, aber nie war da ein Bedürfnis oder ein Gefühl nach dem, was eine Freundschaft ausmacht. Was macht eine Freundschaft aus? So genau weiß ich das ja gar nicht, aber meine Beobachtungen lassen darauf schließen, dass sich Freunde zueinander hingezogener fühlen, als zu Menschen, mit denen sie nicht befreundet sind. Ich bin weder dazu fähig, eine Art Anführer zu sein, noch eine Art Mitläufer. Automatisch gehöre ich somit zu einer Art Ausschussgruppe oder wie man noch so schön sagt: zu den Außenseitern. Die Welt ist voll von Strömungen, Cliquen, Bewegungen und sonstigen Gruppschaften, wenn man da keiner angehört, ist man der typische Einzelgänger. Ja, als ein Einzelgänger wurde ich schon sehr oft bezeichnet. Der Einzelgänger, den niemand im Sportunerricht in seiner Mannschaft haben wollte. Der alleine und auf sich selbst gestellt im Pausenhof stand. Der keine Geburtstagseinladungen bekam und auch sonst nirgendwo willkommen war. Der Einelgänger bin ich bis heute geblieben.

Das Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom gilt als eine tiefgreifende Entwicklungsstörung innerhalb des Autismus-Spektrums und wurde nach dem österreichischen Kinderarzt Hans Asperger benannt, der diese Form von Autismus als autistische Psychopathie bezeichnete. Da die Symptome des Asperger-Syndroms schwächer ausgeprägt sind als beim frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom), macht es sich meist erst ab dem ca. 4. Lebensjahr bemerkbar. Autismus gilt im Allgemeinem als angeboren und unheilbar.

Menschen mit dem Asperger-Syndrom fällt es sehr schwer, die Gestik und Mimik ihres Gegenübers zu verstehen und dessen Gefühle richtig zu interpretieren oder nachzuempfinden, nehmen den Kontakt zu anderen Menschen oftmals als sehr anstrengend wahr und sind kaum in der Lage Beziehungen zu knüpfen, oder Freunschaften zu schließen (Kommunikations- und Kontaktstörung, Beeinträchtigung der sozialen Interaktion). Diese kurze Beschreibung stellt nur sehr oberflächlich dar, was es mit dem Asperger-Syndrom auf sich hat. Die Durchführung einer Diagnose ist sehr langwierig und beinhaltet sehr viele Aufgaben, Tests, Fragebögen, wie auch Interviews. Hier möchte ich nun einige weitere Merkmale aufführen, die das Asperger-Syndrom stark prägen:

  • Durchschnittlich bis hohe Intelligenz.
  • Ironie, Sarkasmus, Redewendungen oder auch Sprichwörter können oftmals für Verwirrung stiften, da ein Autist in der Regel alles sehr wörtlich nimmt und nur schwer Zusammenhänge herstellen kann.
  • Menschen mit dem Asperger-Syndrom werden nicht selten als unhöflich beschrieben, da sie meist ohne Rückhalt sagen, was sie denken und nicht immer einschätzen können, ob es angebracht oder unangebracht war bzw. ist
  • Zu den stärksten Merkmalen gehören vor allem auch die speziellen, oftmals auch skurrilen Interessen, die ein Asperger-Autist sehr intensiv auslebt. Einer meiner skurrilsten Interessen ist es z. B. Bücher abzuschreiben. Nicht-Autisten können nur schwer nachvollziehen, warum ich das tue, warum es mir Freude bereitet und Spaß macht. Mir liegt da eher sehr viel am Tun, das Endergebnis ist mir völlig unwichtig. Das Abgeschriebene verstaubt meist in irgenwelchen Regalen oder Schränken.
  • Dinge als Ganzes zu erkennen, fällt ihnen ebenfalls schwer. Asperger-Autisten nehmen hauptsächlich Einzelheiten wahr, sehen, wie immer so schön gesagt wird, die vielen einzelnen Bäume, können jedoch keinen Wald darin erkennen.
  • Geregelte Strukturen, Tagesabläufe und immer wiederkehrende Rituale stellen auch einer der wichtigsten Merkmale eines Autisten dar. Mir reißt eine Veränderung, sei sie auch noch so klein, den Boden unter den Füßen weg. Es ist wirklich schwierig, da noch normal zu funktionieren.
  • Verzögerung der motorischen Entwicklung (kann vorkommen, muss aber nicht). In meinem Fall war es so, dass ich schon im Säuglingsalter motorisch sehr verzögert war. Dass ich nicht krabbeln konnte, fällt wahrscheinlich auf die fehlende Koordinationsfähigkeit zurück, die auch zu den wichtigsten Symptomen eines Autisten gehören.
  • Auch eine Aufmerksamkeitsstörung wäre hier vielleicht nennenswert. Asperger-Autisten sind sehr mit sich selbst beschäftigt und werden somit häufig durch sich selbst abgelenkt.
  • Integrationsprobleme stellen durch die vielen Einschränkungen ebenfalls ein wichtiges Merkmal dar und enden nicht selten damit, dass Betroffene gemobbt werden, wie es auch in meiner Kindheit stark der Fall war.
  • Menschen mit dem Asperger-Syndrom sprechen meist monoton, zeigen kaum Mimik, sind aber oftmals sehr wortgewandt.
  • Zwänge, ADHS oder Tics zählen häufig als Nebenerscheinungen, müssen aber nicht immer auftreten.
  • Die Fähigkeit, Blickkontakt aufzunehmen gehört ebenfalls zu den häufig auftretenden Symptomen eines Autisten.
  • Da Betroffene Reize aus ihrer Umgebung weniger stark filtern als Nicht-Betroffen, kommt es oft zur sogenannten Reizüberflutung, die oftmals durch stereotype Verhaltensweisen abgebaut wird, eine sehr beruhigende Wirkung auslösen.
  • Hyper- und Hyposensibilität stellen ebenfalls ein wichtiges Merkmal dar, das häufig bei Autisten auftritt. So können Betroffene z. B. Kälte als sehr schmerzhaft empfinden, wobei Hitze wiederum kaum wahrgenommen wird, wie es auch bei mir der Fall ist.

Diese Liste stellt nun so ziemlich die wichtigsten Merkmale eines Menschen mit dem Asperger-Syndrom dar, lässt sich beliebig erweitern oder verkürzen, trotzdem gibt sie aber nicht wirklich wider, wie sich Betroffene fühlen, was sie mitmachen in einer Welt, die sie nicht verstehen und was sie alleine schon im Alltag zu bewältigen haben, was für Nicht-Autisten kaum nachvollziehbar ist. Ich denke, dies würde auch eine doppelte oder dreifache Liste von Merkmalen nicht schaffen, widerzugeben.  Zudem ist es sehr schwierig, Betroffene immer anhand einer Liste zu kategorisieren, da das Asperger-Syndrom sehr unterschiedlich verläuft. So gibt es z. B. Menschen mit dieser Form von Autismus, die nicht das geringste Problem haben, alleine ihren Alltag zu bewältigen oder einer Arbeit nachzugehen, während es aber auch Betroffene gibt, die sehr stark in diesen Dingen beeinträchtigt und kaum dazu fähig sind, ein eigenständiges Leben zu führen.